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Merten

Merten, früher Sankt Merten oder St. Martinus, nach den Patron der Pfarrkirche benannt, liegt am Abhange des Vorgebirges, der circa 4 km entfernten Station Sechtem gegenüber. Die Pfarre zählt 1230 katholische Einwohner, deren 799 aus Merten, 421 aus Trippelsdorf kommen, und 7 Juden. Ackerbau, Gärtnerei und Obstbaumzucht bilden die fast einzige Erwerbsquelle. Ein Bach, aus dem zur Rösberger Berg gehörenden Bonnholz entspringend, verstärkt durch einen anderen von der Mertener Haide über Trippelsdorf, treibt bei hinreichender Stärke die Mertener Mühle. Zeitweilig wird die fehlende Wasserkraft durch Dampf ersetzt. Eine mehrere 100 Schritte höher befindliche Delmühle des Herrn von Weiß ist seit einigen Jahren außer Betrieb gesetzt.

 

Merten war, wie alle Ortschaften des Vorgebirges, eine römische Niederlassung. Verschiedene Baureste, Apparate von Bädern, Wasserleitungen in Mauerwerk und Röhrenform, Münzen und dergleichen setzen diese Behauptung außer Zweifel. Der große Eifelkanal streift die unteren Grenzlinien der Richtung von Kardorf nach Trippelsdorf.

Die bedeutendsten Grundgüter waren die der von Sahn, des Canonicus Johann Rödesberg (Rösberg), Stifters der Vicarie, und der Burgherrn von Rösberg. Gräfin Mechthildis von Sahn gibt dem Friedrich Herrn zu Blankenheim statt der versprochenen Hälfte von Hunolstein Güter bei Gaffenberg und Ahrweiler, "und wenn daselbst an den Einkünften etwas fehlt, so soll er das Fehlende erhalten aus ihrem Allobium zu St. Martinus bei Hemberg (Hemmerich) und was übrig ist, ihr verbleiben"

 

Erzbischof Siegfried von Köln, Domscholasticus W(ilhelm?) und Ritter Gerhard genannt Scherfgin schiedsrichten, daß Gräßin Mechthildis von Sahn Herrn Johann von Reifferscheid mit dem Schloß Bedburg und acht ?uder Wein kölnisches Maß aus ihren Gütern zu Merten bei Rösberg belehnen soll, welche früher Friedrich von Reifferscheid, Bruder Johann's inne gehabt.

Den Herren von Rösberg, zuletzt Freiherrn von Weichs, gehörte der bedeutendste Hof in der Fußgasse, jetzt Eigentum des Herrn Bürgers in Köln. Dieselben hatten auch Weinberge in den obern Geländen zwischen der neuen Kirche und der alten Schule und in der Nähe eine Kelter. Leibeigene waren ehemals zu den Winzerarbeiten verpflichtet. Von alten Klostergütern werden die der Gasthäuser und von Sankt Upern zu Köln genannt. Andere bedeutende Güter befanden sich in Trippelsdorf, worüber unten noch Näheres berichtet wird.

 

Die Pfarrer Merten ist nach allen Indizien in der fränkischen Zeit gegründet. Zunächst spricht dafür der heilige Martinus als Patron der Kirche. Binterim schreibt: " wenn man bedenkt, dass unter Chlodwig allenthalben neue Kirchen gebaut wurden, dass dieser König und seine Zeitgenossen eine grenzenlose Achtung vor dem heiligen Martinus hatten, so erklärt sich wie dieser Heilige so vielen Kirchen am Rhein den Namen gegeben hat. Nach keinem anderen Heiligen sind in der Kölner Diöcese so viele benannt. Viele derselben waren ehemals Hofkapellen."

Das Verzeichnis des Gassiusstifts vin 1173 führt Merten bei "Rodesberch" unter den Pfarrstellen auf, der liber valoris aus dem 14. Jahrhundert die Kirch des h. Martinus mit einem Einnahme von drei Mark und an derselben einen Bicarius mit acht Mark. Da ein Pastor nicht erwähnt wird, so ist wohl ein vicarius perpetuus mit allen pfarramtlichen Rechten und Vollmachten gemeint, welcher mit der vollständigen Seelsorge betraut war. Von einer Unterordnung unter eine ältere Pfarrkirche findet sich bei Merten keine Andeutung. Endlich spricht für das hohe Alter der Pfarrer das freier Kollationsrecht des Kölner Erzbischofs, in dem solches in der Regel sich vorfand, ehe ein anderweites Recht der Besetzung der Pfarrstelle, wie es bei späteren Patronaten vorkam, Platz greifen konnte. Das Kollationsrecht des Erzbischofs bestand noch zurzeit der französischen Säcularisation.